2026

©Friedrich Wilhelm Krösing

Neurodivergenzsensibles Designkonzept für ein adaptives Sitzsystem, das Bewegung, Reizreduktion und individuelle Anpassbarkeit im Lern- und Arbeitskontext unterstützt. Die Arbeit verbindet Design Guidelines mit material- und datenbasierten Entwurfsstrategien sowie parametrisch generierten Sitzstrukturen.

Adaptives Sitzen


Ein datenbasiertes Sitzsystem,

das Bewegungsintegratio, individuelle Druckverteilung und additive Fertigung verbindet.

  1. Konzeptauswahl


Aus drei Produktansätzen wurde das adaptive Sitzsystem ausgewählt. Es verbindet Bewegung, sensorischen Komfort und Individualisierung in einem konkreten Produkt.

Die alternativen Optionen waren eine adaptive Tischleuchte oder ein modulares System zur visuellen Reizreduktion.

  1. Entwicklungslogik


Der Prozess übersetzt individuelle Druckdaten in eine parametrisch erzeugte Sitzstruktur.

  1. Datenerfassung


Eine simulierte Druckmessung bildet die lokale Belastung der Sitzfläche ab. Das Raster dient als Grundlage für die weitere Form- und Materialentwicklung

  1. Heatmap und Belastungszonen


Die Messwerte werden in funktionale Zonen übersetzt. Stark belastete Bereiche sollen kontrolliert nachgeben, gering belastete Bereiche können offener und leichter werden.

  1. Parametrische Sitzstruktur


In Grasshopper steuern Druckzonen Zellgrößen, Öffnungsgrad und Strukturtiefe. So entsteht eine lokal differenzierte Lattice-Struktur.

  1. Strukturvarianten


Die generierte Geometrie in zwei Ansichten.

  1. Gestellfindung


Parallel zur Sitzstruktur entstand ein bewegliches Gestell. Skizzen und ein früher Versuchsaufbau prüften Feder, Standbasis und Bewegungsverhalten.

  1. Konstruktion und Mechanik


Die Feder bildet das zentrale Bewegungselement. Gasfeder, obere Aufnahme und Rückenlehne wurden schrittweise zu einem vollständigen Sitzsystem verbunden.

  1. Bewegungskontrolle und Ausarbeitung


Spanngurte begrenzen die seitliche Auslenkung und machen das Sitzgefühl anpassbar. Die Konstruktion wurde anschließend als vollständiges Sitzsystem ausgearbeitet.

  1. Verstellmechanismus


Ein Zugmechanismus entriegelt die Rückenlehne. Die Konstruktion verbindet sichtbare Bedienung, Höhenanpassung und eine mechanische Rückstelung.

  1. Modellbau


Ein 1:1 Modell überprüft Proportion, Konstruktion und Bewegungsprinzip. Der Prototyp konzentriert sich auf Basis, Feder, Gasfeder und Rückenlehnenaufnahme.

Abstract


Diese Bachelorarbeit untersucht, wie Industrial Design zur Unterstützung der Konzentrationsfähigkeit im Lern- und Arbeitskontext beitragen kann, wenn neurodivergente Bedürfnisse, insbesondere im Zusammenhang mit ADHS, berücksichtigt werden. Ausgangspunkt ist der Neurodiversitätsansatz, der neurologische Unterschiede nicht als Defizit, sondern als Teil menschlicher Vielfalt versteht. Vor diesem Hintergrund werden theoretische Grundlagen zu ADHS, Reizverarbeitung, Bewegung, kognitiver Belastung, Person-Environment-Fit und Flow-Zuständen analysiert.


Aus der theoretischen Auseinandersetzung und der Analyse bestehender Produkte werden Gestaltungsrichtlinien für neurodivergenzsensibles Design abgeleitet. Diese umfassen Reizreduktion, Anpassbarkeit, Bewegungsintegration, kognitive Entlastung und die Förderung von Fokuszuständen. Anschließend werden drei Ansätze entwickelt und miteinander verglichen. Als weiterführendes Konzept wird ein adaptives Sitzsystem gewählt und ausgearbeitet.


Das entwickelte Konzept untersucht das Potenzial datenbasierter und additiv gefertigter Sitzstrukturen, mithilfe einer exemplarischen Persona und eines simulierten Datenstandes. Diese Arbeit zeigt, dass neurodivergenzsensibles Design nicht als Sonderlösung verstanden werden muss, sondern als Erweiterung nutzerzentrierter Gestaltung.


Link zur vollständigen Bachelorarbeit

Einleitung


In den letzten Jahren hat das Thema Neurodivergenz zunehmend an gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Bedeutung gewonnen. Schätzungen zufolge weist ein erheblicher Teil der Bevölkerung neurologische Unterschiede auf, die sich unter anderem in abweichenden Wahrnehmungs-, Denk- und Verarbeitungsweisen äußern. Während diese Vielfalt eine lange Zeit hauptsächlich im medizinischen Kontext als Defizit betrachtet wurde, setzt sich zunehmend die Perspektive durch, Neurodivergenz als Ausdruck menschlicher Diversität zu verstehen.


Trotz dieses Fortschritts sind Produkte und Arbeitsumgebungen im Alltag weiterhin hauptsächlich auf neurotypische Nutzer ausgelegt. Die Bedürfnisse neurodivergenter Menschen werden häufig erst nachträglich berücksichtigt oder bleiben unbeachtet. Dies kann insbesondere im Lern- und Arbeitsalltag zu Einschränkungen der Konzentration, Produktivität und des Wohlbefindens führen.


Im Rahmen dieser Arbeit wird der Begriff der Neurodivergenz als übergeordneter Kontext verstanden. Der Fokus liegt insbesondere auf ADHS, der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Dabei handelt es sich um eine häufige Form neurodivergenter Ausprägung, die mit Herausforderungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Reizverarbeitung und Organisation einhergehen kann und im Gestaltungskontext besondere Relevanz besitzt.


Aus diesem Ansatz ergibt sich für Industrial Designer die Herausforderung, Gestaltung nicht nur funktional, sondern auch inklusiv zu denken. Produkte und Systeme müssen so entworfen werden, dass sie unterschiedliche kognitive Voraussetzungen berücksichtigen und individuelle Anpassungsmöglichkeiten bieten, die letztlich einer breiteren Nutzergruppe zugutekommen können.


Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, zu untersuchen, wie produktgestalterische Ansätze die Konzentrationsfähigkeit im Lern- und Arbeitsumfeld unter Berücksichtigung neurodivergenter Bedürfnisse, insbesondere im Zusammenhang mit ADHS, unterstützen können. Auf Grundlage theoretischer Recherche, der Analyse bestehender Produkte und der Ableitung von Gestaltungsrichtlinien wird ein eigenes Gestaltungskonzept entwickelt.


Die Arbeit verbindet dabei neurodivergenzsensible Gestaltung mit material- und datenbasierten Entwurfsstrategien. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Bewegung, Anpassbarkeit, Reizreduktion und kognitive Entlastung in ein Produktkonzept übersetzt werden können. Aus mehreren Konzeptansätzen wird ein adaptives Sitzkonzept ausgewählt und weiter ausgearbeitet, um die zuvor entwickelten Gestaltungsprinzipien exemplarisch in einem konkreten Produktkontext zu untersuchen.

Konzept: Adaptives Sitzsystem


Das erste Konzept besteht in der Entwicklung eines adaptiven Sitzsystems, das Sitzen weiter denkt als herkömmliche Möbel. Ausgangspunkt ist, dass moderne Sitzmöbel zwar über zahlreiche ergonomische Verstellmöglichkeiten verfügen, die grundlegende Materialität und Funktionsweise von Sitzmöbeln jedoch seit Jahrzehnten weitgehend unverändert geblieben ist. Konventionelle Polsterungen aus Schaumstoff, Stoff oder Leder dominieren weiterhin den Markt, obwohl sie hinsichtlich thermischer Regulation, dynamischer Anpassbarkeit und sensorischer Interaktion nur begrenzte Möglichkeiten bieten.


Das Konzept untersucht daher das Potenzial additiver Fertigungstechnologien und neuer Materialstrukturen zur Entwicklung eines zukunftsorientierten Sitzes. Inspiriert von 3D-gedruckten Strukturen aus der Sporttechnologie soll eine offene, adaptive Sitzfläche entstehen, die sich flexibel an unterschiedlichen Körperhaltungen, Bewegungsmustern und ergonomischen Anforderungen anpasst und individualisierbar ist.


Im Mittelpunkt steht dabei nicht ausschließlich klassische Ergonomie, sondern die Entwicklung eines dynamischen Materialsystems, das Bewegung, Luftzirkulation und sensorische Eigenschaften aktiv in die Nutzung integriert. Durch variable Materialdichten und elastische Strukturen könnten unterschiedliche Sitzcharakteristiken erzeugt werden, von stabilen bis hin zu stärker federnden Eigenschaften. Gleichzeitig eröffnet die poröse Materialstruktur neue Möglichkeiten der Kühlung und thermischen Regulation, wodurch insbesondere bei längerem Sitzen ein höherer Komfort entstehen soll.


Das Produkt versteht Sitzmöbel somit nicht als statisches Objekt, sondern als adaptive Schnittstelle zwischen Körper, Bewegung und Umgebung.


Die Funktionen des Produktes liegen insbesondere in der Unterstützung von Bewegung, thermischer Regulation und sensorischer Selbstregulation. Die offene Struktur des Sitzsystems soll Luftzirkulation innerhalb der Sitzfläche ermöglichen und dadurch Wärmestau sowie Schweißbildung reduzieren. Gleichzeitig erlaubt die variable Materialhärte eine individuelle Anpassung des Sitzverhaltens und eröffnet neue ergonomische Möglichkeiten jenseits klassischer Polstersysteme.


Insbesondere für Menschen mit ADHS oder erhöhtem Bewegungsbedürfnis könnte die dynamische Sitzfläche eine unterstützende Form körperlicher Selbstregulation darstellen. Bewegung wird hierbei nicht als Störfaktor betrachtet, sondern als integraler Bestandteil konzentrierten Arbeitens verstanden. Ergänzend dazu sollen sensorische Oberflächenstrukturen im Bereich der Fußablage sowie intuitive und klar erkennbare Bedienelemente untersucht werden, um eine zusätzliche Form haptischer Interaktion zu

ermöglichen.


Im Entwicklungsprozess sollen zunächst bestehende ergonomische Sitzsysteme, additive Fertigungstechnologien sowie neurodivergenzrelevanten Anforderungen analysiert werden. Darauf aufbauend erfolgt die Entwicklung eines modularen Sitzsystems, das sowohl funktional als auch atmosphärisch auf unterschiedliche Nutzungssituationen reagieren kann.

Material Konzept: Adaptive Gitterstrukturen


Die Entwicklung additiver Fertigungstechnologien eröffnet neue Möglichkeiten für die Gestaltung ergonomischer und individualisierter Produkte. Im Gegensatz zu konventionellen Fertigungsverfahren können durch den 3D-Druck komplexe

Gitter- und Netzwerkstrukturen erzeugt werden, die mit klassischen Produktionsmethoden nur schwer oder gar nicht herstellbar wären (Ngo et al., 2018).


Insbesondere sogenannte Lattice-Strukturen gewinnen in Bereichen Mobilität, Medizintechnik und Sporttechnologie zunehmend an Bedeutung. Dabei handelt es sich um dreidimensionale Gitterstrukturen, deren Geometrie gezielt an funktionale Anforderungen angepasst werden kann. Durch die Variation der Zellgröße, Wandstärke oder Materialdichte lassen sich unterschiedliche mechanische Eigenschaften innerhalb eines einzigen Bauteils erzeugen (Maskery et al., 2015).


Eine Anwendung solcher Strukturen sind die Adidas 4D Laufschuhe. Die Zwischensohle besteht aus einer additiv gefertigten Gitterstruktur, deren lokale Eigenschaften abgestimmt wurden. Anstelle eines homogenen Schaumstoffkörpers entsteht dadurch ein Materialsystem, dessen Eigenschaften über die Geometrie der Struktur definiert werden (Carbon, 2018).


Neben den mechanischen Vorteilen bieten offene Gitterstrukturen weitere Potenziale für ergonomische Anwendungen. Durch ihre poröse Bauweise ermöglichen sie eine bessere Luftzirkulation und

können dadurch Wärmestau reduzieren, der bei konventionellen Polstersystemen häufig entsteht. Gleichzeitig erlaubt die Anpassung lokaler Strukturparameter eine differenzierte Druckverteilung und somit eine stärkere Individualisierung ergonomischer Produkte (Yan et al., 2014).


Für Sitzmöbel eröffnet dieser Ansatz neue Möglichkeiten der Gestaltung. Anstatt eine Sitzfläche mit einer gleichmäßigen Polsterung auszustatten, könnten unterschiedliche Bereiche gezielt dort mit Belastung reagieren. Durch die Kombination aus Druckanalyse, parametrischem Design und additiver Fertigung entsteht die Möglichkeit, Sitzstrukturen individuell an Körperform, Gewichtsverteilung und Bewegungsverhalten anzupassen.


Im Kontext dieser Arbeit sind adaptive Gitterstrukturen besonders interessant, da sie nicht nur ergonomische Anforderungen erfüllen können, sondern gleichzeitig Bewegung, thermischen Komfort und sensorische Eigenschaften beeinflussen. Dadurch entsteht ein Materialsystem, das sich flexibel an unterschiedliche Nutzer anpassen lässt und neue Potenziale für neurodivergenzsensible Arbeitsumgebungen eröffnet.

Entwurfsprozess


Für das Sitzgestell ergeben sich daraus mehrere Anforderungen. Es muss die Sitzplattform aufnehmen, eine Höhenverstellung ermöglichen und eine verstellbare Rückenlehne integrieren. Die Rückenlehne kann perspektivisch nach demselben Prinzip parametrisch generiert und 3D-gedruckt werden. Darüber hinaus soll das Gestell nicht nur eine statische Sitzhaltung unterstützen, sondern Bewegung ermöglichen und fördern. Damit knüpft der folgende Entwurfsschritt

an die zuvor entwickelte Struktur an und überführt sie in ein vollständiges Sitzmöbelkonzept.


Zu Beginn des Entwurfsprozesses wurden erste Skizzen zum übergeordneten Konzept des „adaptiven Sitzens“ beziehungsweise zu Sitzmöbeln generell erstellt. In dieser Phase ging es noch nicht um die konkrete technische Ausarbeitung. Die Skizzen zeigen unterschiedliche Formen und Aufbauten.


Aus diesen ersten Überlegungen entstand die Idee, das Sitzmöbel nicht als statisches Objekt, sondern als bewegliches System zu gestalten. Um diese Idee frühzeitig praktisch zu prüfen, wurde im

nächsten Schritt ein Low-Level-Prototyp aus vorhandenen Bauteilen aufgebaut.


Der erste Versuchsaufbau bestand unter anderem aus einer Bremsscheibe als schwere Standbasis sowie einem Feder-Dämpfer-Element aus einem Fahrzeug. Das Modell wurde über einen kurzen Zeitraum im Alltag getestet, um ein Gefühl für die Beweglichkeit und das Sitzverhalten zu entwickeln. Dabei zeigte sich, dass eine Feder als zentrales Element grundsätzlich geeignet ist, um Bewegungen im Sitzen zu ermöglichen. Auf Grundlage dieser Tests erfolgte eine gezieltere skizzenhafte Weiterentwicklung des Gestells. Dabei wurde entschieden, die Feder nicht nur als technisches Funktionselement, sondern als sichtbare und strukturelle Komponente in das Sitzmöbel zu integrieren. Die folgenden Skizzen beschäftigen sich daher mit der Verbindung von Feder, Fußplatte, Sitzaufnahme und Rückenlehne.


Im nächsten Schritt wurde die Feder mit einer Fußplatte und einer oberen Auflageplatte kombiniert. Dadurch entstand eine stabile Basis, auf der die spätere Sitzfläche befestigt werden kann. Die Feder übernimmt dabei die zentrale Bewegungsfunktion, während die Platten die Verbindung zwischen Boden, Feder und Sitzfläche herstellen. Da das Sitzmöbel nicht nur beweglich, sondern auch an unterschiedliche Körpergrößen und Arbeitssituationen anpassbar sein soll, wurde anschließend die Integration einer Höhenverstellung untersucht. Als naheliegende Lösung wurde eine Gasfeder gewählt, wie sie auch bei klassischen Bürostühlen eingesetzt wird. Diese wird in die obere Auflageplatte integriert und bildet die Verbindung zur Sitzaufnahme.


Die Sitzfläche wird oberhalb der Gasfeder befestigt und kann über einen Hebelmechanismus in der Höhe verstellt werden. Dadurch lässt sich die Sitzhöhe unabhängig von der Bewegungsfunktion der Feder anpassen. Die Beweglichkeit entsteht somit primär im unteren Bereich des Gestells, während die Gasfeder die ergonomische Höhenanpassung übernimmt.


Anschließend wurde die Integration der Rückenlehne betrachtet. Da die Rückenlehne der Bewegung des Nutzers folgen soll, muss sie oberhalb der Feder angebunden werden. Würde sie an der unteren Basis befestigt, bliebe sie statisch, während sich die Sitzfläche bewegt. Aus diesem Grund wurde in der oberen, auf der Feder liegenden Platte eine Aufnahme für einen gebogenen Metallrohrrahmen vorgesehen. Dieser Rahmen trägt die Rückenlehne und ermöglicht ihre Verstellung in Höhe und Tiefe. Die jeweilige Verstellrichtung wird über einen Entriegelungsmechanismus freigegeben.


Ob die dynamische mitbewegte Rückenlehne im Gebrauch tatsächlich angenehmer ist als eine stationär stehende Rückenlehne, müsste in weiteren Versuchen überprüft werden. Denkbar wäre auch eine konstruktive Lösung, die beide Nutzungsweisen ermöglicht: eine mitbewegte Rückenlehne für dynamisches Sitzen und eine fixierte Position für Situationen, in denen mehr Stabilität oder Ruhe gewünscht ist.

Produktbeschreibung


Das Sitzmöbel ist als aktiver Sitzhocker für Menschen mit erhöhtem Bewegungsbedürfnis konzipiert. Ziel ist es, eine anpassbare Sitzlösung zu entwickeln, die Bewegungen ermöglicht und gleichzeitig eine stabile, sichere Nutzung gewährleistet. Das Gestell dient dabei als tragende Struktur für die individuell generierte Sitzfläche und verbindet diese mit einem bewegungsfördernden Unterbau sowie einer verstellbaren Rückenlehne.


Der Aufbau besteht aus einer zweiteiligen Basisplatte, einer großen Feder, Spanngurten zum Begrenzen und Kontrollieren der Bewegungsfreiheit, einer höhenverstellbaren Gasfeder mit Verbindungsplatte sowie einer verstellbaren Rückenlehne. Die 3D-gedruckte Sitzplatte wird mit einer Trägerplatte auf der Gasfeder befestigt und über ein einfaches Pin- und Gurtsystem befestigt.


Die Basisplatte besteht aus Aluminium. Sie bildet eine robuste Grundlage für die beweglichen Komponenten. Die Oberfläche wird sandgestrahlt, um ein mattes Finish zu erzielen und anschließend in Wunschfarbe pulverbeschichtet. Das erhöht die Oberflächenqualität und verbessert die Widerstandsfähigkeit im Gebrauch. In die in der Basisplatte vorhandene Nut wird ein farbiger Ring aus recyceltem Kunststoff eingelegt, um einen farblichen Kontrast zu schaffen. Des Weiteren befindet sich im Zentrum der Basisplatte eine umlaufende Vertiefung, in der die Feder sitzt.


Das zentrale Bewegungselement bildet eine Feder aus hochfestem Federstahl. Die Feder ist durch ihre Windungszahl, Drahtdurchmesser und Federrate entsprechend ausgelegt, um Bewegung zu ermöglichen. Die oberen und unteren Auflageflächen der Feder sind mit einer schützenden Ummantelung versehen, um Kontaktgeräusche zu reduzieren und die Metalloberflächen vor Kratzern zu schützen.


Zur Begrenzung der Kippbewegung werden Spanngurte eingesetzt. Sie verhindern ein zu starkes Auslenken des Sitzes. Die Gurte bestehen aus recyceltem PET-Band, da dieses formstabil, nur gering dehnbar und in verschiedenen Farben erhältlich ist. Die Gurte werden durch Schlitze in der oberen und unteren Platte geführt. Am einen Ende sind sie zu Laschen vernäht, am anderen Ende befindet sich ein Haken. Dadurch kann eine Vorspannung erzeugt werden, damit sich das Bewegungsverhalten zusätzlich anpassen lässt. Gleichzeitig reduziert diese Lösung den Bedarf an zusätzlichen Befestigungselementen und vereinfacht den konstruktiven Aufbau.


Die Höhenverstellung erfolgt über eine handelsübliche Gasfeder mit definierten Verstellbereich. Sie verbindet die Basis mit der oberen Sitzstruktur und ermöglicht die Anpassung der Sitzhöhe an unterschiedliche Körpergrößen und Arbeitssituationen. Zur gestalterischen Integration wird die Gasfeder mit einer farblich abgestimmten Hülle versehen.


Die Rückenlehne ist an einem gebogenen Aluminiumrohr befestigt. Die Rückenlehne ist höhen- und tiefenverstellbar und kann perspektivisch nach demselben datenbasierten Prinzip wie die Sitzfläche gefertigt werden. Die Höhenverstellung erfolgt über einen Zugmechanismus an der Rückenlehne. Die Tiefenverstellung erfolgt durch das entfernen von zwei Pins.


Sitzfläche und Rückenlehne bestehen jeweils aus einer tragenden Metallplatte und einer individuell angepassten Ein- oder Auflage. Diese Elemente werden im Digital-Light-Synthesis-Verfahren aus einem elastischen Kunststoff gefertigt. Obwohl das Material fossil basiert ist, wird es in diesem Konzept aufgrund seiner Langlebigkeit und Materialeigenschaften und Eignung für die Lattice Struktur eingesetzt. Die Elemente dienen der körperbezogenen Anpassung und bilden die direkte Schnittstelle zwischen dem Nutzer und Sitzmöbel.


Zur Verstellung der Sitz- und Lehnenposition sind integrierte Hebelelemente verbaut. Durch ziehen des jeweiligen Mechanismus kann die Position angepasst und anschließend wieder fixiert werden. Dadurch bleibt die Bedienung sichtbar, direkt und intuitiv.

2026

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Neurodivergenzsensibles Designkonzept für ein adaptives Sitzsystem, das Bewegung, Reizreduktion und individuelle Anpassbarkeit im Lern- und Arbeitskontext unterstützt. Die Arbeit verbindet Design Guidelines mit material- und datenbasierten Entwurfsstrategien sowie parametrisch generierten Sitzstrukturen.

Bachelorarbeit

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